Tinnitus bei Craniomandibulärer DysfunktionLiteraturübersicht und Fallbericht von Dr. Christian Köneke (Bremen) |
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Verkürzte Zahnreihe OK links (seit vielen Jahren). Im Unterkiefer links ungünstig profilierte ältere Amalgamfüllungen. Weitere ältere Amalgamfüllungen im OK. Keramisch verblendete Brücke im rechten UK, keramisch verblendete Krone im rechten OK. Fehlender Zahn 17 ohne Ersatz. Karies am Zahn 15.
Ausgangsmodelle:
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Befund der Manuellen Funktionsdiagnostik:
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Unterkieferbeweglichkeit aktiv und passiv normal weit und unauffällig.
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Endgefühl bei Kompression retrusiv rechts und links: zu hart. Keine Schmerzhaftigkeiten bei sämtlichen Kompressionen, Traktionen und Translationen.
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Terminales Kiefergelenkknacken rechts und links, wird bei dynamischer Kompression excursiv lauter und tritt später ein, ist bei dynamischer Kompression incursiv nicht mehr auskultierbar und ist bei dynamischer Translation medial ebenfalls nicht mehr uskultierbar.
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Druckdolenzen in folgenden Muskeln: M. temporalis anterior rechts deutlich, links weniger deutlich; M. trapezius rechts. Sonst muskulär eher unauffällig.
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Isometrietests bei Mediotrusion, Adduktion und Abduktion unauffällig.
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Trigeminusdruckpunkte unauffällig.
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HWS-Beweglichkeit eingeschränkt.
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Tinnitus links wird während der Untersuchung lauter.
Therapie
Initialer Therapievorschlag:
- Orthopädische Deblockierung
- unmittelbar anschließend: Registrierung der Zentrallage des Unterkiefers
- noch am selben Tag: Eingliedern einer Funktionsschiene
- 10x Physiotherapie und Schienenkorrektur nach Physiotherapie
- Okklusale Rehabilitation in neuromuskulärer Zentrik
Therapieverlauf:
20.4.2004:
Orthopädische Deblockierung und Eingliedern einer Funktionsschiene in vorläufiger Zentrik am selben Tag.
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28.4.2004:
Vier physiotherapeutisch-craniosacraltechnische Doppelstundenbehandlungen mit unmittelbar daran anschliessenden Bisslagekorrekturen auf der Schiene.
14.5.2004:
Neue Oberkiefer-Funktionsschiene bei mittlerweile deutlich veränderter Zentrik und bereits erreichter Dekompression in beiden Kiefergelenken eingegliedert.
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14.5.2004-8.6.2004:
Vier physiotherapeutisch-craniosacraltechnische Doppelstundenbehandlungen mit unmittelbar daran anschliessenden Bisslagekorrekturen auf der Schiene.
8.6.2004:
Langsame Besserung des linksseitigen Tinnitus' wird für den Patienten spürbar.
Prognose und Epikrise
Unter der weiter fortgesetzten Dekompressionsbehandlung der Kiefergelenke wird sich der Tinnitus voraussichtlich weiter zurückbilden. Bis zu welchem Grad eine Rückentwicklung des Tinnitus' erfolgen kann, ist derzeit noch nicht absehbar. Eine definitive Erhaltung der Dekompression, insbesondere des linken Kiefergelenkes, kann jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nur über eine Implantation im linken Oberkiefer-Molarenbereich erfolgen. Möglicherweise wird diese noch im Rahmen der Schienenbehandlung durchgeführt werden, wenn sich der Tinnitus weiter gebessert hat. An erster Stelle stand in dem Therapieablauf die schnelle Dekompression der Kiefergelenke, um innerhalb der für den Tinnitus kritischen Drei-Monats-Grenze eine adäquate Maßnahme zu ergreifen. Eine primäre Implantation mit Dekompression der Kiefergelenke auf den eingeheilten Implantaten wäre zwar für den Vorgang der Dekompression wünschenswert gewesen, jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Beseitigung des Tinnitus zu spät gekommen.
Dieser Fall ist einer der selteneren Fälle, in denen die zahnärztliche CMD-Therapie eine Entlastung vom Symptom Tinnitus gebracht hat. In den meisten Fällen kommt der Zahnarzt bei den eigentlich zahnärztlich beeiflussbaren Tinnitusfällen zu spät, weil eine lange Odyssee des Patienten vor dem Weg zum Zahnarzt vorliegt. Der Fall zeigt, dass bei rechtzeitigem Eingreifen des Zahnarztes Hoffnung auf einen Behandlungserfolg bestehen kann. Eine schnellere Überweisung von Tinnituspatienten zum CMD-spezialisierten Zahnarzt ist daher wünschenswert.
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Literatur:
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