
CMD-Glossar: 50 Fachbegriffe rund um Kiefer, Biss und Kiefergelenk einfach erklärt
Im Befund stehen Wörter wie Diskusverlagerung, Mediotrusion oder habituelle Okklusion, und im Gespräch bleibt kaum Zeit zum Nachfragen. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe der CMD-Diagnostik und -Therapie in klarer Sprache, jeweils in wenigen Sätzen.
Was bedeutet CMD in einem Satz?
CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) ist der Sammelbegriff für Funktionsstörungen von Kaumuskulatur, Kiefergelenken und Zahnkontakten, die Schmerzen im Kiefer, aber auch im Kopf, Nacken oder Ohr verursachen können. International heißt dasselbe Krankheitsbild TMD, im deutschsprachigen Raum ist auch der Begriff Myoarthropathie (MAP) verbreitet.
So nutzen Sie dieses Glossar
Die Begriffe sind alphabetisch sortiert. Über die Buchstaben springen Sie direkt zum gesuchten Abschnitt. Jede Erklärung ist so geschrieben, dass sie auch für sich allein verständlich ist. Wo es zu einem Begriff einen ausführlichen Beitrag gibt, ist er verlinkt.
Ein Tipp für den nächsten Termin: Markieren Sie Begriffe aus Ihrem Befund, die Sie hier nachgelesen haben, und notieren Sie, was unklar bleibt. So nutzen Sie die Gesprächszeit gezielt für Ihre eigenen Fragen.
Welche Namen gibt es für CMD?
Für dasselbe Krankheitsbild sind mehrere Bezeichnungen im Umlauf. Das sorgt oft für Verwirrung, wenn verschiedene Behandler unterschiedliche Begriffe verwenden.
| Begriff | Herkunft | Verwendung heute |
|---|---|---|
| CMD | deutschsprachig, Craniomandibuläre Dysfunktion | gebräuchlichster Begriff in Deutschland, betont das Zusammenspiel von Schädel und Unterkiefer |
| MAP | deutschsprachig, Myoarthropathie | vor allem in Fachkreisen, betont Muskel- und Gelenkschmerz |
| TMD | englisch, Temporomandibular Disorders | internationaler Standard in der Forschung |
| TMJ | englisch, Temporomandibular Joint | eigentlich das Kiefergelenk, umgangssprachlich auch die Erkrankung |
| Costen-Syndrom | nach James Costen, 1934 | veraltet, taucht in älteren Arztbriefen auf |
Warum so viele Fachrichtungen mit CMD zu tun haben und unterschiedliche Begriffe nutzen, beschreibt der Fachbeitrag CMD-Therapie im Netzwerk.

Fachbegriffe von A bis Z
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A
Anamnese
Die Anamnese ist das ausführliche Vorgespräch zu Beginn jeder Untersuchung. Erfragt werden Art, Ort, Dauer und Auslöser der Beschwerden, frühere Unfälle, zahnärztliche und kieferorthopädische Behandlungen, Schlaf, Stress und Medikamente. Bei CMD liefert die Anamnese oft die wichtigsten Hinweise, weil viele Symptome außerhalb des Mundes auftreten.
Artikulator
Ein Artikulator ist ein mechanisches Gerät, in das Gipsmodelle von Ober- und Unterkiefer eingesetzt werden. Er ahmt die Bewegungen des Unterkiefers nach. So lassen sich Zahnkontakte außerhalb des Mundes genau untersuchen und Schienen oder Zahnersatz passgenau planen.
Attrition
Attrition bezeichnet den Verlust von Zahnsubstanz durch direkten Kontakt von Zahn zu Zahn. Typisch sind glatte, glänzende Schliffflächen an Eck- und Backenzähnen. Ausgeprägte Attritionen gelten als möglicher Hinweis auf Knirschen oder Pressen (Bruxismus). Davon abzugrenzen ist die Abrasion, also Abnutzung durch Fremdkörper wie Zahnbürste oder Nahrung.
Aufbissschiene
Die Aufbissschiene ist eine individuell angefertigte Kunststoffschiene, die über die Zähne des Ober- oder Unterkiefers gesetzt wird. Sie entlastet Kiefergelenke und Kaumuskulatur, schützt die Zähne beim Knirschen und kann die Position des Unterkiefers beeinflussen. Andere Namen sind Okklusionsschiene, Knirscherschiene oder Relaxierungsschiene. Welche Arten es gibt, zeigt unser Schienenvergleich.
Axiographie
Die Axiographie ist ein Verfahren der instrumentellen Funktionsanalyse. Sie zeichnet die Bewegungsbahnen der Gelenkköpfe beim Öffnen, Schließen und Seitwärtsbewegen auf. Abweichungen von der normalen Bahn geben Hinweise auf Störungen im Kiefergelenk, etwa eine Verlagerung der Gelenkscheibe.
B
Bilaminäre Zone
Die bilaminäre Zone ist das zweischichtige Gewebe hinter der Gelenkscheibe des Kiefergelenks. Es ist reich an Blutgefäßen und Nervenfasern und daher sehr schmerzempfindlich. Rutscht die Gelenkscheibe dauerhaft nach vorn, drückt der Gelenkkopf auf dieses Gewebe, was starke Schmerzen vor dem Ohr auslösen kann.
Bisshöhe
Die Bisshöhe, fachlich vertikale Dimension, beschreibt den Abstand zwischen Ober- und Unterkiefer, wenn die Zähne aufeinandertreffen. Durch abgenutzte Zähne, fehlende Backenzähne oder alte Prothesen kann sie absinken. Eine zu niedrige oder zu hohe Bisshöhe kann Kaumuskeln und Kiefergelenke belasten.
Bruxismus
Bruxismus ist das wiederholte Pressen, Knirschen oder Anspannen der Kiefer ohne Kaufunktion. Man unterscheidet Schlaf-Bruxismus in der Nacht und Wach-Bruxismus am Tag. Bruxismus ist für sich genommen keine Krankheit, kann aber Zähne schädigen und Muskel- sowie Gelenkschmerzen verstärken. Mehr dazu im Beitrag Bruxismus: die stille Kraft.
C
CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion)
CMD ist der Oberbegriff für Funktionsstörungen zwischen Schädel (Cranium) und Unterkiefer (Mandibula). Betroffen sein können Kaumuskulatur, Kiefergelenke und das Zusammenspiel der Zähne. Typisch sind Kiefer- und Gesichtsschmerzen, Gelenkgeräusche und eine eingeschränkte Mundöffnung, häufig begleitet von Kopf-, Nacken- oder Ohrbeschwerden. Eine ausführliche Einführung bietet die Seite Was ist CMD?.
Costen-Syndrom
Costen-Syndrom ist eine ältere Bezeichnung für Beschwerden, die vom Kiefergelenk ausgehen. Sie geht auf den amerikanischen HNO-Arzt James Costen zurück, der 1934 Ohr- und Kopfsymptome bei Patienten mit Kiefergelenkproblemen beschrieb. Heute spricht man von CMD beziehungsweise TMD.
D
DC/TMD
DC/TMD steht für Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders. Es ist ein international verwendetes, wissenschaftlich geprüftes Schema, mit dem Funktionsstörungen des Kausystems einheitlich untersucht und eingeteilt werden. Neben dem körperlichen Befund erfasst es auch Schmerzintensität, Beeinträchtigung im Alltag und psychische Belastung.
Diskus articularis (Gelenkscheibe)
Der Diskus articularis ist eine bewegliche Scheibe aus Faserknorpel zwischen Gelenkkopf und Gelenkpfanne des Kiefergelenks. Er gleicht die unterschiedlichen Formen der Knochen aus und verteilt die Kaukräfte. Bei jeder Mundöffnung gleitet er gemeinsam mit dem Gelenkkopf nach vorn.
Diskusverlagerung
Bei einer Diskusverlagerung liegt die Gelenkscheibe nicht mehr richtig auf dem Gelenkkopf, meist ist sie nach vorn verschoben. Springt sie beim Öffnen wieder zurück, spricht man von einer Verlagerung mit Reposition, oft hörbar als Knacken. Bleibt sie vor dem Gelenkkopf liegen, handelt es sich um eine Verlagerung ohne Reposition, die Mundöffnung ist dann meist eingeschränkt. Details im Beitrag Kieferknacken und Diskusverlagerung.
Distraktion
Distraktion bedeutet das sanfte Auseinanderziehen von Gelenkflächen. Im Kiefergelenk wird dadurch der Gelenkspalt vergrößert und das Gewebe entlastet. Distraktion wird in der manuellen Therapie eingesetzt und ist das Wirkprinzip bestimmter Schienen.
DVT (Digitale Volumentomographie)
Die DVT ist ein dreidimensionales Röntgenverfahren für Kiefer und Gesicht. Sie stellt Knochen sehr genau dar, etwa Form und Oberfläche des Gelenkkopfes. Knorpel und Gelenkscheibe sind darin nicht sichtbar, dafür ist die Magnetresonanztomographie das geeignete Verfahren.
E
Eminentia articularis (Gelenkhöcker)
Die Eminentia articularis ist der Knochenwulst vor der Gelenkpfanne am Schläfenbein. Beim weiten Öffnen gleitet der Gelenkkopf an ihr entlang nach vorn. Gleitet er darüber hinaus und hakt fest, kann der Mund nicht mehr geschlossen werden.
F
Fossa mandibularis (Gelenkpfanne)
Die Fossa mandibularis ist die Vertiefung im Schläfenbein, in der der Gelenkkopf des Unterkiefers liegt. Sie befindet sich direkt vor dem äußeren Gehörgang, was erklärt, warum Kiefergelenkbeschwerden oft als Ohrenschmerzen empfunden werden.
Frühkontakt
Ein Frühkontakt ist ein Zahnkontakt, der beim Zubeißen vor allen anderen Kontakten eintritt. Der Unterkiefer weicht ihm unbewusst aus, was die Kaumuskulatur belastet. Frühkontakte entstehen zum Beispiel durch neue Füllungen, Kronen oder Zahnwanderungen.
Funktionsanalyse, klinische
Die klinische Funktionsanalyse ist die körperliche Untersuchung des Kausystems mit Händen und einfachen Hilfsmitteln. Geprüft werden Mundöffnung, Unterkieferbewegungen, Gelenkgeräusche, Druckschmerz der Muskeln und Zahnkontakte. Sie ist die Grundlage jeder CMD-Diagnose. Den Ablauf beschreibt der Beitrag Die CMD-Diagnose.
Funktionsanalyse, instrumentelle
Die instrumentelle Funktionsanalyse ergänzt die klinische Untersuchung durch Messgeräte. Dazu gehören die Aufzeichnung der Gelenkbahnen, digitale Bissregistrierungen und die Übertragung der Kieferposition in einen Artikulator. Sie wird eingesetzt, wenn Schienen oder umfangreicher Zahnersatz genau geplant werden müssen. Mehr dazu im Beitrag Instrumentelle Funktionsanalyse.
G
Gesichtsbogen
Der Gesichtsbogen ist ein Messinstrument, das die Lage des Oberkiefers im Verhältnis zu den Kiefergelenken erfasst. Mit diesen Daten werden die Modelle schädelbezüglich in den Artikulator übertragen. So entspricht die Bewegung am Modell möglichst genau der Bewegung im Mund.
H
Habituelle Okklusion
Die habituelle Okklusion ist die gewohnte Schlussbissstellung, in die ein Mensch beim Zubeißen ganz automatisch geht. Sie muss nicht mit der Position übereinstimmen, in der die Kiefergelenke entspannt stehen würden. Weichen beide deutlich voneinander ab, kann das Muskeln und Gelenke dauerhaft belasten.
Hypermobilität
Hypermobilität bezeichnet eine übermäßige Beweglichkeit des Kiefergelenks. Der Gelenkkopf gleitet beim weiten Öffnen über den Gelenkhöcker hinaus, oft mit einem deutlichen Springen. Eine allgemeine Überbeweglichkeit des Bindegewebes kann dazu beitragen.
K
Kiefergelenkarthrose
Die Kiefergelenkarthrose ist ein Verschleiß der Gelenkflächen. Knorpel geht verloren, der Knochen des Gelenkkopfes verändert seine Form. Typisch ist ein reibendes Geräusch beim Bewegen. Nicht jede Arthrose schmerzt, viele Betroffene haben nur wenige Beschwerden.
Kiefergelenkluxation
Bei einer Kiefergelenkluxation springt der Gelenkkopf beim weiten Öffnen vor den Gelenkhöcker und kann nicht von selbst zurückgleiten. Der Mund bleibt offen stehen. Die Reposition sollte durch geschultes Personal erfolgen.
Kieferklemme
Als Kieferklemme wird eine eingeschränkte Mundöffnung bezeichnet: Der Mund lässt sich nicht oder nur wenig öffnen. Ursachen sind zum Beispiel verkrampfte Kaumuskeln, eine blockierende Gelenkscheibe oder Entzündungen im Bereich der Weisheitszähne. Umgangssprachlich wird dafür oft auch das Wort Kiefersperre verwendet.
Kiefersperre
Fachlich bezeichnet die Kiefersperre den umgekehrten Zustand zur Kieferklemme: Der Mund kann nicht mehr geschlossen werden. Häufigste Ursache ist eine Kieferluxation, bei der der Gelenkkopf vor den Gelenkhöcker gesprungen ist. Im Alltag wird der Begriff allerdings auch für einen blockierten, nicht zu öffnenden Kiefer genutzt.
Kondylus (Gelenkkopf)
Der Kondylus, lateinisch Caput mandibulae, ist das obere, abgerundete Ende des Unterkieferastes. Er bildet zusammen mit der Gelenkpfanne und der Gelenkscheibe das Kiefergelenk. Sie können ihn ertasten, wenn Sie die Finger vor die Ohren legen und den Mund öffnen.
Krepitation
Krepitation ist ein feines oder grobes Reibe- und Knirschgeräusch im Gelenk, ähnlich wie Schritte auf Kies. Im Kiefergelenk deutet sie häufig auf veränderte Gelenkflächen hin, etwa bei Arthrose. Anders als das kurze Knacken ist sie über einen längeren Bewegungsabschnitt hörbar.
L
Laterotrusion und Mediotrusion
Diese Begriffe beschreiben Seitwärtsbewegungen des Unterkiefers. Auf der Seite, zu der sich der Kiefer bewegt, spricht man von Laterotrusion (Arbeitsseite). Auf der Gegenseite bewegt sich der Kiefer zur Mitte hin, das ist die Mediotrusion (Balanceseite). Störende Zahnkontakte auf der Balanceseite gelten als besonders belastend für das Gelenk.
M
Manuelle Strukturanalyse
Die manuelle Strukturanalyse ist ein Untersuchungsverfahren, bei dem das Kiefergelenk gezielt mit den Händen belastet, entlastet und verschoben wird. Aus den Reaktionen lässt sich ableiten, welche Strukturen betroffen sind, zum Beispiel Kapsel, Bänder oder Gelenkscheibe. Sie ist Teil der erweiterten klinischen Funktionsanalyse.
MAP (Myoarthropathie)
Myoarthropathie ist eine im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Bezeichnung für schmerzhafte Funktionsstörungen der Kaumuskeln (Myo-) und Kiefergelenke (-arthro-). Sie wird weitgehend gleichbedeutend mit CMD verwendet, betont aber stärker die Schmerzkomponente.
Masseter
Der Musculus masseter ist der kräftige Kaumuskel an der Außenseite des Unterkiefers. Sie spüren ihn, wenn Sie die Zähne aufeinanderbeißen und die Finger auf die Wange legen. Bei Pressen und Knirschen ist er häufig verhärtet und druckschmerzhaft und kann Schmerzen in Zähne und Ohr ausstrahlen.
MRT (Magnetresonanztomographie)
Die MRT arbeitet mit Magnetfeldern statt Röntgenstrahlen. Sie ist das einzige Standardverfahren, das die Gelenkscheibe, Entzündungen und Flüssigkeitsansammlungen im Kiefergelenk sichtbar macht. Sie wird eingesetzt, wenn der klinische Befund eine genaue Darstellung der Weichgewebe erfordert.
Myofasziale Schmerzen
Myofasziale Schmerzen gehen von Muskeln und ihren Bindegewebshüllen (Faszien) aus. Typisch sind tastbare, druckempfindliche Verhärtungen, die Schmerzen in entfernte Regionen ausstrahlen. Bei CMD ist dies die häufigste Schmerzform.
O
Okklusion
Okklusion bezeichnet jeden Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers, sowohl beim Zubeißen als auch bei Bewegungen. Eine harmonische Okklusion verteilt die Kräfte gleichmäßig. Störungen der Okklusion können Muskeln und Gelenke belasten, sind aber nur einer von mehreren möglichen CMD-Faktoren.
P
Parafunktion
Parafunktionen sind Bewegungen oder Belastungen des Kausystems, die nicht dem Kauen, Sprechen oder Schlucken dienen. Dazu zählen Pressen, Knirschen, Wangen- und Lippenbeißen, Nägelkauen oder das Kauen auf Stiften. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen einer Überlastung.
Protrusion und Retrusion
Protrusion ist das Vorschieben des Unterkiefers, Retrusion das Zurückziehen. Beide Bewegungen werden in der Funktionsanalyse geprüft, weil Schmerzen oder Abweichungen dabei auf bestimmte Gelenk- oder Muskelprobleme hinweisen.
Pterygoideus lateralis
Der seitliche Flügelmuskel ist ein kleiner, tief liegender Kaumuskel. Er zieht den Gelenkkopf beim Öffnen nach vorn und ist mit der Gelenkscheibe verbunden. Ist er dauerhaft angespannt, kann er zur Verlagerung der Gelenkscheibe beitragen. Von außen ist er nicht tastbar.
R
Repositionsschiene
Eine Repositionsschiene hält den Unterkiefer in einer bestimmten, meist leicht nach vorn verlagerten Position. Ziel ist es, die Gelenkscheibe wieder auf den Gelenkkopf zu bringen oder das Gelenk zu entlasten. Sie wird nur nach genauer Diagnostik und unter engmaschiger Kontrolle eingesetzt.
S
Schmerzgedächtnis
Als Schmerzgedächtnis bezeichnet man Veränderungen im Nervensystem, die nach lang anhaltenden Schmerzen entstehen. Nerven reagieren dann empfindlicher, und Schmerzen können bestehen bleiben, obwohl die ursprüngliche Ursache behoben ist. Eine frühe Behandlung senkt dieses Risiko. Mehr dazu im Beitrag Die Psychologie des Schmerzes.
Stomatognathes System
Das stomatognathe System, auch Kauorgan, umfasst alle Strukturen, die am Kauen, Schlucken und Sprechen beteiligt sind: Zähne, Zahnhalteapparat, Kiefer, Kiefergelenke, Kaumuskeln, Zunge, Lippen, Speicheldrüsen und die zugehörigen Nerven.
T
Temporalis
Der Musculus temporalis ist ein fächerförmiger Kaumuskel an der Schläfe. Er hebt den Unterkiefer und zieht ihn zurück. Verspannungen im Temporalis werden oft als Schläfenkopfschmerz wahrgenommen, siehe Temporalis-Kopfschmerz.
TMD und TMJ
TMD steht für Temporomandibular Disorders und ist die international übliche Bezeichnung für Funktionsstörungen des Kausystems, weitgehend gleichbedeutend mit CMD. TMJ bedeutet Temporomandibular Joint, also Kiefergelenk. Im englischen Sprachraum wird TMJ umgangssprachlich auch für die Erkrankung selbst verwendet.
Triggerpunkt
Ein Triggerpunkt ist eine tastbare, sehr druckempfindliche Stelle in einem verspannten Muskel. Typisch ist, dass Druck darauf Schmerzen an einem anderen Ort auslöst, etwa im Zahn, im Ohr oder an der Schläfe. Mehr dazu im Beitrag Triggerpunkte und Faszien.
Trigeminusnerv
Der Trigeminus ist der fünfte Hirnnerv. Er versorgt Gesicht, Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskeln sensibel und steuert die Kaumuskulatur. Weil er viele Regionen verbindet, können Schmerzen aus dem Kiefer an anderen Stellen des Gesichts oder Kopfes gespürt werden.
Ü
Übertragener Schmerz
Von übertragenem Schmerz spricht man, wenn der Schmerz nicht dort entsteht, wo er gespürt wird. Ein verspannter Kaumuskel kann so Zahnschmerzen, Ohrenschmerzen oder Kopfschmerzen verursachen, obwohl Zähne, Ohr und Kopf gesund sind.
Z
Zentrik
Die Zentrik, genauer zentrische Kondylenposition, beschreibt eine Lage der Gelenkköpfe in den Gelenkpfannen, in der Gelenke und Muskeln möglichst unbelastet sind. Sie dient als Bezugsposition für Schienen und Zahnersatz. Fachlich wird die genaue Definition bis heute diskutiert.
Zungenruhelage
Die Zungenruhelage ist die Position der Zunge, wenn Sie nicht sprechen oder schlucken. Physiologisch liegt die Zungenspitze hinter den oberen Schneidezähnen am Gaumen, die Zähne berühren sich nicht. Eine falsche Zungenlage kann Kieferwachstum und Kaumuskulatur beeinflussen, siehe CMD und Logopädie.
Zwangsbiss
Ein Zwangsbiss liegt vor, wenn die Zähne den Unterkiefer beim Zubeißen in eine Position zwingen, die nicht der entspannten Gelenkstellung entspricht. Der Kiefer wird dabei seitlich oder nach hinten geführt. Muskeln und Gelenke müssen diese Abweichung bei jedem Schlucken ausgleichen.
Welche Begriffe sollten Sie im Gespräch nachfragen?
Einige Begriffe klingen ähnlich, bedeuten aber für die Behandlung etwas völlig anderes. Fragen Sie nach, wenn einer davon in Ihrem Befund steht:
- Diskusverlagerung mit oder ohne Reposition? Davon hängt ab, ob das Gelenk noch frei beweglich ist und welche Schiene sinnvoll ist.
- Kieferklemme oder Kiefersperre? Kann der Mund nicht auf- oder nicht zugehen? Die Begriffe werden im Alltag oft verwechselt.
- Muskulär oder arthrogen? Arthrogen heißt: Die Beschwerden gehen vom Gelenk aus. Muskuläre Beschwerden werden meist anders behandelt als Gelenkprobleme.
- Welche Schiene genau? „Aufbissschiene“ ist ein Sammelbegriff. Fragen Sie, ob es eine entspannende, stabilisierende oder repositionierende Schiene ist und wie lange Sie sie tragen sollen.
- Welche Befunde sind reversibel? Schienen und Physiotherapie lassen sich rückgängig machen, Einschleifen oder neuer Zahnersatz nicht. Diese Unterscheidung ist für Ihre Entscheidung wichtig.
Häufige Fragen zu CMD-Fachbegriffen
Ist CMD dasselbe wie Bruxismus?
Nein. Bruxismus beschreibt ein Verhalten, nämlich Pressen oder Knirschen. CMD beschreibt eine Funktionsstörung mit Beschwerden. Bruxismus kann zu einer CMD beitragen, aber nicht jeder, der knirscht, hat eine CMD, und nicht jede CMD geht mit Knirschen einher.
Was ist der Unterschied zwischen Knacken und Krepitation?
Knacken ist ein kurzes, einzelnes Geräusch, oft beim Zurückspringen der Gelenkscheibe. Krepitation ist ein länger anhaltendes Reiben oder Knirschen während der Bewegung und deutet eher auf veränderte Gelenkoberflächen hin.
Bedeutet „Arthrose im Kiefergelenk“, dass ich operiert werden muss?
In aller Regel nicht. Die meisten Kiefergelenkarthrosen werden konservativ behandelt, etwa mit Schiene, Physiotherapie und entzündungshemmenden Maßnahmen. Operationen sind wenigen Fällen vorbehalten, siehe Kieferchirurgie bei CMD.
Was bedeutet „okklusal“?
Okklusal heißt „die Kauflächen beziehungsweise den Zahnkontakt betreffend“. Eine okklusale Störung ist also eine Störung im Zusammenspiel der Zähne beim Zubeißen.
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Ihr Befund wirft Fragen auf?
Fachbegriffe nachzuschlagen ist ein guter Anfang. Was sie für Ihre Situation bedeuten und welche Behandlung dazu passt, lässt sich aber nur im persönlichen Gespräch klären. Schreiben Sie uns, welche Begriffe oder Befunde Sie beschäftigen, am besten mit dem Betreff „Befund“.
Sie suchen einen Behandler in Ihrer Nähe, der den Befund mit Ihnen durchgeht? Dafür gibt es das Therapeutenregister.
Quellen und Hinweise
- Schiffman E. et al.: Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (DC/TMD), Journal of Oral & Facial Pain and Headache, 2014
- Universitätsspital Zürich: Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
Dieses Glossar dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Beratung. Stand: Oktober 2026.



