Verzögerte Symptome nach Halswirbelsäulen-Verletzungen

Ein Auffahrunfall ist der klassische Auslöser für ein Schleudertrauma. Während Ärzte im Krankenhaus meist nur die Halswirbelsäule (HWS) röntgen und bei Unauffälligkeit Entwarnung geben, beginnt für viele Patienten eine Odyssee. Was oft übersehen wird: Die enorme Beschleunigungsenergie wirkt nicht nur auf die Wirbel, sondern katapultiert auch den Unterkiefer kurzzeitig aus seiner Verankerung. Man spricht hier von einem indirekten Kiefertrauma.

Die neurophysiologische Verschaltung

Die Nervenbahnen der oberen drei Halswirbel und die des Trigeminusnervs (der den Kiefer steuert) laufen im Hirnstamm in einem gemeinsamen Kerngebiet zusammen. Eine Verletzung oder Blockade in der HWS sendet daher „Fehlersignale“ an das Kausystem. Der Körper reagiert mit einer massiven Schutzspannung der Kaumuskulatur, um den Kopf zu stabilisieren. Diese Spannung bleibt oft bestehen, auch wenn der Nackenschmerz längst abgeklungen ist.

Diagnosehindernis: Zeitliche Verzögerung

Das tückische an einer unfallbedingten CMD ist, dass die Symptome oft erst Wochen oder Monate später auftreten. Patienten bringen ihre Kieferschmerzen oder das plötzliche Ohrensausen dann nicht mehr mit dem Unfall in Verbindung. Hier ist eine spezialisierte Funktionsdiagnostik gefragt, die gezielt nach traumatischen Veränderungen im Gelenk sucht.

Was nach einem Unfall zu tun ist

  • Frühzeitige Funktionsprüfung: Lassen Sie nach jedem HWS-Trauma Ihren Kiefer von einem CMD-Spezialisten untersuchen.
  • Osteopathische Akutbehandlung: Hilft, die Schockstarre des Gewebes zu lösen.
  • Vermeidung von Überlastung: Verzichten Sie in den ersten Wochen nach einem Unfall auf zähe Lebensmittel oder langes Kaugummikauen.