Wenn der Rücken den Kiefer schiefzieht

Eine Skoliose (seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule) betrifft meist das Kindes- oder Jugendalter, hat aber oft lebenslange Auswirkungen auf das Kausystem. In der CMD-Therapie unterscheiden wir zwischen aufsteigenden und absteigenden Ketten. Bei einer Skoliose liegt meist eine aufsteigende Problematik vor: Die Wirbelsäule gibt die Schiefstellung nach oben an den Kopf und damit an den Kiefer weiter.

Die Kompensation des Schädels

Damit wir geradeaus schauen können, muss der Kopf auf einer schiefen Wirbelsäule ständig korrigiert werden. Diese Korrektur geschieht über die obere Nackenmuskulatur. Da der Unterkiefer „frei“ am Schädel hängt, wird er durch die veränderte Kopfneigung in eine Fehlposition gezogen. Langfristig führt dies dazu, dass sich die Zähne ungleichmäßig abnutzen oder das Kiefergelenk einseitig komprimiert wird. Ein Kieferorthopäde, der eine Zahnfehlstellung korrigiert, ohne die Skoliose zu berücksichtigen, wird oft scheitern, da der Rücken den Kiefer immer wieder in die alte Fehlform zieht.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist Pflicht

Die Behandlung einer CMD bei Skoliose-Patienten erfordert ein Team aus Orthopäden, Physiotherapeuten und Zahnärzten. Oft muss erst die Wirbelsäule stabilisiert werden (z. B. durch gezieltes Training oder Einlagen), bevor eine Schienentherapie am Kiefer dauerhaft greifen kann. Die Schiene dient hierbei als „Puffer“, um die Auswirkungen der Rückenprobleme auf die Zähne abzumildern.

Früherkennung schützt vor Folgeschäden

Eltern sollten bei Kindern mit diagnostizierter Skoliose immer auch den Kiefer im Blick behalten. Ein asymmetrisches Gesichtswachstum oder frühzeitiges Knacken im Kiefergelenk sind Warnsignale. Je früher das Zusammenspiel von Rücken und Kiefer harmonisiert wird, desto besser lassen sich chronische Schmerzen im Erwachsenenalter vermeiden.