Wenn konservative Methoden an ihre Grenzen stoßen

Die gute Nachricht vorweg: Über 90 % aller CMD-Fälle lassen sich erfolgreich mit Schienen, Physiotherapie und Osteopathie behandeln. Doch es gibt Situationen, in denen die Anatomie so stark verändert ist, dass konservative Wege nicht ausreichen. Schwere knöcherne Fehlstellungen (Dysgnathien), Tumore oder massive degenerative Veränderungen (Arthrose) im Kiefergelenk erfordern manchmal chirurgische Expertise.

Minimalinvasive Eingriffe: Arthrozentese und Arthroskopie

Bevor „groß“ operiert wird, kommen oft minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. Bei der Arthrozentese wird das Gelenk mit einer sterilen Flüssigkeit gespült, um Entzündungsstoffe zu entfernen und Verklebungen zu lösen. Die Arthroskopie geht einen Schritt weiter: Über kleinste Schnitte kann der Chirurg den Diskus wieder an seinem Platz fixieren oder entzündetes Gewebe direkt abtragen. Diese Eingriffe haben eine kurze Heilungsdauer und oft eine exzellente Erfolgsprognose.

Die große Umstellungsosteotomie

Liegt die Ursache der CMD in einer massiven Fehlstellung der Kiefer zueinander (z.B. extremer Rückbiss), kann eine Verlagerung der Kieferknochen notwendig sein. Dies ist ein komplexer Eingriff, der eine monatelange kieferorthopädische Vorbereitung erfordert. Ziel ist es, den Biss so einzustellen, dass die Gelenke wieder in ihrer natürlichen Zentrik arbeiten können.

Wann ist eine OP sinnvoll?

  • Bei mechanischen Blockaden, die das Mundöffnen unmöglich machen.
  • Bei therapieresistenten Schmerzen trotz monatelanger Spezialschienentherapie.
  • Bei fortschreitender knöcherner Zerstörung des Gelenkkopfes.
  • Nach schweren Unfällen mit Trümmerbrüchen im Gelenkbereich.