
Ohrgeräusche ohne Befund? Warum der Zahnarzt oft mehr weiß als der HNO
Chronischer Tinnitus ist für Betroffene eine enorme Belastung. Oft ergibt die Untersuchung beim HNO-Arzt keinen organischen Befund am Ohr. In diesen Fällen liegt die Ursache häufig in der direkten Nachbarschaft: im Kiefergelenk. Eine Craniomandibuläre Dysfunktion kann über neuronale und anatomische Wege Ohrgeräusche, Druckgefühl im Ohr oder sogar Schwindel auslösen. Da das Kiefergelenk nur wenige Millimeter vom Gehörgang entfernt liegt, übertragen sich Verspannungen und Entzündungen unmittelbar.
Die anatomische Nähe von Kiefer und Gehör
Die anatomische Verbindung ist eng: Das Kiefergelenk grenzt direkt an die knöcherne Wand des Gehörgangs. Zudem werden bestimmte Muskeln im Mittelohr (Musculus tensor tympani) und die Kaumuskulatur vom selben Nerven, dem Trigeminus, versorgt. Besteht eine Daueranspannung im Kiefer, kann dies zu einer Fehlsteuerung der kleinen Muskeln im Ohr führen, die das Trommelfell spannen. Die Folge ist ein subjektives Pfeifen oder Rauschen. Auch das „Pinto-Ligament“, eine feine Gewebeverbindung zwischen Kiefergelenk und Mittelohr, kann bei Fehlstellungen Zug auf die Gehörknöchelchen ausüben. Eine CMD-Schiene, die den Gelenkspalt entlastet, nimmt diesen physikalischen Druck vom Ohr und lässt den Tinnitus oft leiser werden oder ganz verschwinden.
Stress als gemeinsamer Nenner
Tinnitus und CMD sind beide eng mit dem vegetativen Nervensystem verknüpft. Stress führt zu Zähneknirschen, was die CMD verstärkt – und gleichzeitig die Wahrnehmung des Tinnitus im Gehirn intensiviert. In unserer Therapie betrachten wir daher immer beide Komponenten. Durch eine gezielte Funktionsdiagnostik können wir feststellen, ob der Tinnitus durch Kieferbewegungen oder Druck auf die Gelenke beeinflussbar ist. Wenn ja, ist die Chance auf eine Heilung durch eine spezialisierte CMD-Behandlung sehr hoch. Wir arbeiten hierbei interdisziplinär, um Ihnen die bestmögliche Lebensqualität zurückzugeben.
Pfeifen im Ohr? Bevor Sie aufgeben, lassen Sie Ihren Kiefer untersuchen. Oft liegt die Lösung näher, als Sie denken.
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